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Mit drei neuen Gesichtern und einem dreifach donnerndem Hajo begrüßte die Narrengilde der Speyerer Karnevalgesellschaft ein bestens gelauntes Publikum zur großen Sitzung ihrer Jubiläumskampagne in der altehrwürdigen, nun fast 50 Jahre alten, gut gefüllten Stadthalle, die am Samstagabend fest in Narrenhand war. Nicht nur die neue Stadtprinzessin, ihre Lieblichkeit Eva I., die ganz in Blau von ihrem Thron hoch oben auf der Bühne das karnevalistische Treiben mit dirigierte, lächelte in die Runde. Neu in Amt und Ehren präsentierten sich auch Daoud Hattab als fünfter SKG-Präsident sowie Michael "mig" Grohmann, der als Sitzungspräsident fungierte und mit viel Witz und Tat zum Gelingen des Abends beitrug: Volles Haus, Top-Stimmung, fröhliche Gesichter, jede Menge Beifallraketen von einem Publikum, das sich vom Geschehen auf der Bühne vor allem nach der Pause mitreissen ließ.
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Wie immer läuteten nach dem Einzug des Elferrates der Fanfarenzug Rot-Weiß Speyer und die TSV-Kindertanzgruppe - diesmal als kochlöffelschwingende Bäcker maskiert - die Prunksitzung ein. Prinzessin Eva zog in ihrem Redebeitrag Europas Königshäuser ordentlich durch den Kakao, deren allzu strenge Protokolle dem blaublütigen Nachwuchs die Reise zur Fasnacht nach Speyer untersagt. SKG-Präsident Hattab ließ es sich nicht nehmen, noch vor den Auftritten der "lustigen, in sämtliche Vereinsfarben gewandete Weiber", OB Hansjörg Eger mit dem Ehrenkreuz um den Hals in den Ehrenrat aufzunehmen und fünf Verdienstkreuze, darunter zwei "Große", zu verleihen. Polizist Horst Knapp zog als Till nicht nur geschickt die Fäden, sondern mit seinem geschliffenem Humor über die Spar-Republikik Deutschland her. Er beleuchtete Euro-und Griechenlandkrise im gleichen Atemzug wie die Affären Guttenberg, Wulff und die verfehlte Politik in der Eifel mit dem Eurograb Nürburgring. Ehrenpräsident Werner Hill, der als Angelus bereits auf der Herrensitzung sein närrisches Können hatte unter Beweis stellen können, spannte einen weiten Bogen beim Thema Stadtpolitik. Er bekrittelte vorab das Fehlen von Vertretern der SPD- Fraktion auch bei dieser Großen Sitzung, spöttelte über grüne Baumzähler im Auwald, das Woogbachtal, die Wochenendomizile im Binsfeld und fragte sich allen Ernstes, warum die Anlieger des Marienheimes nicht auch wie beim Stuttgarter Projekt 21 auf die Idee gekommen seien, Juchtenkäfer auf den Bäumen zu züchten. Laut Altstadtsatzung darf Bödeker in der Stadt ab sofort nur noch rote Schuhe verkaufen. In Anlehnung an Nostradamus verkündete der Engel prophetisch die Fertigstellung der Postgalerie noch vor dem angekündigten Weltuntergang am 21. Dezember des Jahres. Zu bereits vorgerückter Stunde richtete Sitzungspräsident Grohmann Grußadressen an die nach einer Woche strengster Bettruhe wiedergenesene Bürgermeisterin Monika Kabs, die eine Lanze für das Engagement sämtlicher im Ehrenamt tätigen Narren brach. Dazu an den Beigeordneten Wolf Böhm, die anwesenden Ratsmitglieder, sowie an FDP-Europaparlamentmitglied Jürgen Creutzmann. Dessen Kürzel "MdE" ersetzte der Sitzungspräsident mit einem Seitenhieb auf die liberalen 3-Prozenter prompt durch "Mitleid-Demut - Erbarmen". Auch Hans-Günter Glaser gab wieder "den mit de Rot Nas". Als brillanter, ironischer Frozzler mit der Einleitung: "Heit ihr Narre, wärd gefeiert, wir sinn nämlich runderneiert" - es war schunn immer unser Streben, der Jugend eine Chanc`zu geben", machte sich das SKG-Urgestein über das Alter von Präsident Hattab und Neurentner Grohmann lustig. "Gemäß dem Motto Jugend vor, is käna iwwa 80 Johr", klang es schon versöhnlicher aus belesenem Munde, ehe Glaser die Vertreter der Bürgerschaft ins Visier nahm: "Suschd du änn Narr so uff die Schnelle, musch du dich nur vors Stadthaus schdelle!" Von des Oberbürgermeisters langer Neujahrsrede nach dessen erstem Amtsjahr (nur bedacht... dass a bloß kä Fehla macht), wanderte des Narren Fokus von der Postgalerie über die Aussicht, auf der Prachtstraße künftig nur noch Handyshops, Schuhläden und Eiscafès vorzufinden. Weiter ging es zum Synagogenneubau mit der leider fehlenden Klagemauer, bis hin zur Landebahn plus Auwald am Flugplatz und dem Marienheimprojekt: " weil gegen reiche Investoren, kläne Bürger stets verloren". Die neuen Leiden der FDP belegte die "Rot Nas" am praktischen Beispiel eines Dialoges zwischen Wolf Böhm und Dr. Jakumeit, wobei sich gefühlter Rückenwind, den einer der zwei zu spüren glaubte, letztlich als banale Blähung entpuppte: "Bloß heiße Luft un dann noch prahle - so sinn se halt, die Liberale!" Auch die Genossen kamen aufgrund ihrer Fasnachtsallergie bei der Herrensitzung schlecht weg: "Von de Schpeirer - Führungsleit war niemand do, genau wie heit. Sie boykottiere näd aus Groll, sie hawwe halt die Hose voll!" Vom Klangvolumen Grohmanns sowie ihrem eigenen überzeugte sich die gesamte Narrenschar zwischendurch beim Singen goldener Speyerer Fasnachtslieder aus der SKG-Tischbeilage. Nach der SKG-Schautanzgruppe ging mit der Stimmungskapelle "Mederschemer Grumbeere" nach der Pause erst so richtig die Post ab. Die Stimmungskanonen aus Römerberg konnten sich nur nach einigen Zugaben von der Bühne lösen. Kerstin Kepler als Reisebürokauffrau und Leierkastenmann Thomas Höchemer schafften es danach mit Vorschläge zum Urlaub zu den Top-Reisezielen Griechenland ( man weiß nie, wer streikt), Rom (exklusiv zu Berlusconi) oder ins beschauliche, idyllische Woogbachtal (Spezialeinladung gratis an Bundespräsident Wulff) und mit Einblicken in die Politik - erneut wurde den Stadtoberen die Leviten gelesen - das Stimmungsbarometer hoch zu halten.
Den Vogel bei dieser Sitzung abzuschießen war Hildegard Jung vergönnt, die als "gestressdi, stoffwechselgestördi Fraa" allerlei Schwänke aus ihrem Leben zum Besten gab. Sie muss, "weil man vom Nixtun nie wees, wann ma fertisch iss, ständig in de Handtasch krame". Dabei findet sie eine Axt, weil ihr Finanzmensch dazu riet, es mal mit dem "Ehegattensplitting" zu versuchen. In ihrem Kontoauszug findet sie ihr eigenes, kleines Griechenland, während sie das Publikum darüber aufklärt, dass Verstorbenen die Rente gekürzt werden soll: "Immer uff die, die sich näd wehre könne!" Auf ihre Nachbarin hört sie nicht mehr, seit deren Tip, Verstopfungen mit zwei Bananen loszuwerden. "Des hodd schunn bei der erschde so wehgetan, dass ich die anner nimmer genumme hab. Vielleischd hätt ich besser vorher die Schal wegmache solle." Seit es Facebook gibt, ist sie jetzt sogar mit ihrem Mann befreundet. "Weil der kürzlich 60 Johr alt worre iss, hab ich de Dokter frage müsse, wie ma unterscheide kann, ob`s bei ihm Leidenschaft oder sei Asthma iss, wenn er schnauft." Weitere Glanznummern in der "Domschüssel" waren Troubadour Klaus Bohn und der närrische Bezirksvorsitzende Hans Müller. Des gleichen die Schautänzerinnen vom Haßlocher CV, die mit Tanz und Akrobatik mehr als nur etwas fürs Auge boten sowie das SKG-Männerballett, bei dessen virtuosen Aerobic-Tanzeinlagen sich die weiblichen Zuschauer im Angesicht der weißen und dicken Bäuche, eine Zugabe erklatschten. Hinter die Kulissen der Stadt blickte nochmals "mig" Grohmann mit Gitarre und lauter Singstimme. Mit unsäglicher Erleichterung registrierte in diesem Vortrag unter anderem OB Eger, - der in regennasser Nacht im Rathaus in der verfallenen Geisterstadt Speyer die Wutbürger vorbeiziehen sah,- dass er aus einem schrecklichen Alptraum erwacht mitten im Fasnachtstreiben stand.
Was wäre eine zünftige SKG-Sitzung ohne Finale? Mit dem Lied: "Heit Nacht wird durchgemacht", ging es schon in den frühen Morgen.
Abschließender Tip der Redaktion: Närrinnen aus Speyer und Umgebung sollten sich beeilen, denn nur zur zweiten SKG-Damensitzung sollen noch Karten vorrätig sein. (da/Fotos:olk)
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