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Von Harald Stein
Dass der Crossover Pop und Klassik perfekt funktioniert, beweist die „AIDA Night Of The Proms“ in Deutschland schon seit 15 Jahren. Zu diesem kleinen Jubiläum versammeln sich auch in diesem Jahr jede Menge Highlights in Mannheim. In der fast ausverkauften SAP-Arena reitet musikalisch Franz von Suppe´s „Leichte Kavallerie“ dem Großereignis entgegen. Das 75-köpfige Sinfonieorchester „Il Novecento“ unter der Leitung von Robert Groslot und die 16 Sänger des Chors „Fine Fleur“ gehören seit dem Beginn der „Proms“ zu den tragenden Säulen der Konzerte und begleiten die Stargäste. Das Orchester interpretiert nach Originalpartituren bekannte klassische Stücke aus den vergangenen drei Jahrhunderten, von „Ruslan und Ludmilla“, von Mikhail Glinka oder „Carmina Burana“. Bei der „Night Of The Proms“ trifft Frack auf Turnschuh, Abendkleid auf Jeans und die Macher auf ein erwartungsfreudiges Publikum. So erleben die Zuschauer eine moderne Show mit Pep, überzeugenden Künstlern und einem abwechslungsreichen Programm, denn das Konzertspektakel hat nun mal alles, was es braucht, um seine Fans zu beglücken. Abwechslung, Atmosphäre und Entertainment rund um die schönste Sinneserfahrung der Welt - das Musikhören.
Stimmgewaltig die vier hübschen Italienerinnen von „Div4s“. Die Sopranistinnen wurden von Andrea Bocelli entdeckt. Das Quartett singt auf hohem Niveau aus „Zauberflöte“, „Carmen“, Verdis „La Traviata“. und natürlich auch „Time To Say Goodbye“, auf Italienisch. Mit „Stanfour“ war endlich einmal wieder eine aktuelle Band mit von der Partie. Erfrischend, die Jungs von der Insel Föhr. Zum ersten Mal spielen sie ihre Songs wie „For All Lovers“, „Wishing You Well“ und „Life Witzout You“ mit einem großen Orchester. Viele singen die eingängigen Popsongs mit. Neu ist ein „DJ Battle“, bei dem sich der Klangkörper ein musikalisches Duell mit einem Plattenaufleger liefert und dabei das Klassik-Pop-Thema auf temporeiche Weise aktualisiert. Im rasanten Wechsel konkurrierten DJ und Orchester so schnell, dass die Genres nahezu verschmelzen. Durch Nile Rodgers & Chic wird der Musiktempel zum Studio 54. Mit Songs wie "Le Freak" und "Good Times" bringen die Funkmeister die Halle in Schwung. Die positive Überraschung des über dreistündigen Events ist Alison Moyet. Bei ihr funktionierte auch das Prinzip, Songs von einer Band und einem Orchester instrumentieren zu lassen. Die Alt-Stimme der 50-Jährigen ist nach wie vor so einzigartig, kraftvoll und ausdrucksstark. „Don’t Go“ aus der Elektropopzeit mit Yazoo, „All Cried Out“ aus ihrer Mainstreampop-Zeit sowie die Barjazznummer „That Ole Devil Called Love“ gehören zu den Perlen der Popmusik. Der musikalische Direktor John Miles verbeugt sich mit „Valerie“ vor Amy Winehouse. Das Urgestein ist aus der Geschichte der „Proms“ nicht wegzudenken und seit der ersten Stunde dabei. Seine Proms-Hymne „Music (Was My First Love)“ geht immer noch unter die Haut, und Miles singt eben auch mit 62 noch wie ein junger Gott. Star des Abends ist ohne Zweifel Seal, der eindrucksvoll beweist, dass er weitaus mehr ist, als nur der Ehemann von Heidi Klum. Ganz in Schwarz gekleidet, legt der Brite eine Show hin, die die Menschen von den Stühlen reisst. Mit „Kiss From A Rose“ bringt der Frauenflüsterer Batman doch noch bis Mannheim Die fein sinfoniesierte Ballade aus dem dritten Kinoauftritt des Fledermausmanns wird unter Seals samtiger Reibeisenstimme zum Schmusekater. Megahits wie „Killer“ und „Crazy“ katapultieren die Fan aus ihren Sitzen. Anschließend nimmt Seal ein Bad in der Menge. Bei „Amazing“ verwandeln die Zuschauer die Halle mit vielen kleinen blauen Leuchten in ein Lichtermeer. Ab da ist der Sänger nur noch im Publikum zu finden, rennt durch die Halle, steht auf Stühlen, animiert, posiert, elektrisiert. Zum Finale versammeln sich alle Protagonisten und singen gemeinsam „We Are Family“, der richtige Song zur Realität.
Befördert doch der Griff in die Erinnerungskiste bei der alljährlichen „Night Of The Proms“ alte Helden auf die Bühne und gibt dem Publikum die Chance, seine vor einem Vierteljahrhundert erfolgte musikalische Sozialisation noch einmal zu durchleben. Beethoven gegen Michael Jackson, Eurythmics gegen Chopin. Das ist der musikalische Kleinkrieg der „Proms“ bei dem Klassik und Pop ganz eng zusammen rücken. Eine richtige Party für Musikfreunde aller Couleur und Altersklassen. (Foto: Harald Stein)
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