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KULTUR |
Kultur Regional
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Montag, den 19. Dezember 2011 um 10:37 Uhr
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Am Ende der Straße, dort, wo die Wüste beginnt, steht das große Haus. Hinter hohen Mauern in einem paradiesischen Garten wohnt hier der geheimnisvolle Gabalawi, der Stammesvater des Viertels. Seit undenklichen Zeiten hat ihn niemand mehr gesehen. Dennoch leitet er wie mit unsichtbarer Hand das Schicksal seiner Kinder und Kindeskinder. Wächter und Verwalter terrorisieren das Viertel in wiederkehrenden Wellen von Aufruhr und Unterdrückung. Der ägyptische Literatur-Nobelpreisträger Nagib Machfus (er erhielt die Auszeichnung 1988) beschreibt in seinem 1959 erschienen Roman "Die Kinder unseres Viertels" eine Parabel von der ewigen Spirale der Gewalt, von Hoffnung, dem Segen und Sieg der Demokratie, die in einem scheinbar undurchbrechbaren Kreislauf immer wieder in autoritären Regiemen endet. Die Revolutionäre werden schnell von der Macht korrumpiert. Nagib Machfus beschreibt anhand der Zustände eines Kairoer Stadtviertels die gesellschaftlichen Verhältnisse in Ägypten.
Es scheint, als habe er in diesem Roman die dertzeitige Situation in seinem Heimatland und anderen Arabischen Staaten vorhergesehen. Es ist zu befürchten, dass es auch wieder so endet, wie es Machfus beschreibt: Es werden lediglich die Figuren an der Spitze ausgetauscht, an den Strukturen ändert sich langfristig nichts. Der Westen neigt dazu, zwar das Wort Demokratie im Munde zu führen, in Wirklichkeit aber die althergebrachten Strukturen zu stabilisieren und aus Angst vor etwas Neuem, Unberechenbarem, solche Personen zu unterstützen, die bisher weitgehend kooperiert haben. In der arabischen Welt waren und sind das vor allem Diktatoren wie Mubarak in Ägypten oder korrupte Königreiche wie Saudi Arabien.
Welchen Sprengstoff "Die Kinder unseres Viertels" für Ägypten war kann man daran ermessen, dass der Roman wegen der anhaltenden Empörung der streng Religiösen wegen angeblicher Gotteslästerung erst nach seinem Tod im Jahr 2006 auf Arabisch erscheinen konnte. Bereits 1994 wurde Nagib Machfus durch einen islamistischen Attentäter mit Messerstichen in den Hals angegriffen. Er überlebte schwerverletzt.
Wer den in bester orientalischer Erzähltradition verfassten Roman "Die Kinder unseres Viertels" gelesen hat wird besser verstehen, was in der arabischen Welt derzeit vor sich geht. (ks)
Nagib Machfus: Die Kinder unseres Viertels
576 Seiten
ISBN 3-293-20378-7
EURO 12.90
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