|
Nachdem sich Alison Moyet Anfang der 1980er Jahre in diversen Punk- und Bluesbands versucht hatte, suchte sie per Zeitungsinserat einen musikalischen Partner zur Gründung eines eigenen Projekts. Dabei meldete sich Ex-Depeche Mode Keyboarder Vince Clarke und sie gründeten die Synthie-Pop-Band „Yazoo“. Bereits die erste Single „Only You“ erreichte Platz zwei der englischen Charts. 1983 startete Alison ihre Solo-Karriere. Ihr erstes Album „Alf“ hielt sich ein Jahr in der Hitliste. Nach der Geburt ihrer Tochter und dem Duett mit Paul Young beim Live-Aid-Festival privatisierte die Britin. 1986 meldete sie sich in einem Duett mit James Brown auf dessen Album „Gravity“ zurück. Ein Jahr später erhielt sie für ihr zweites Album „Raindancing“ einen dritten Brit-Award und veröffentlichte bis 2007 verschiedene Alben. 2008 gingen Alison Moyet und Vince Clark nach 25 Jahren erstmals wieder als „Yazoo“ auf die Bühne. Sowohl ihre ausdrucksstarke und unverwechselbare Blues-Stimme als auch ihre musikalische Bandbreite sind ihr Markenzeichen. speyer-aktuell-Journalist Harald Stein traf Alison Moyet zu einem lockeren Unterhaltungsgespräch.
Harald Stein: Hallo Alison. Wann hast Du denn mit Deiner Musik angefangen?
Alison Moyet: Ich glaube mit 15 Jahren. Ich zog mit ein paar Freundinnen singend durch unsere Straßen.
Dabei wurden wir angesprochen und ich sagte, dass wir eine Band sind. Wir wurden für einen Gig engagiert. Da hatten wir ein paar Probleme. Es musste schnellsten eine Band gegründet werden. In unserer Schule kannte ich einen Jungen, der konnte Gitarre spielen. Ich sagte ihm, dass wir am Samstag einen Auftritt hätten, aber noch keine Band. Er kümmerte sich sofort um einen Schlagzeuger. Jetzt brauchten wir nur noch einen Bandnamen. Da alles so chaotisch begann, nannten wir uns „The Vandals“ (die Vandalen). Auf diese Weise konnten wir drei Mädels mit Band ein erstes öffentliche Konzert spielen. Danach zogen wir von Pub zu Pub. Das war eine tolle Zeit.
Harald Stein: Welche Art Musik spielten „The Vandals“?
Alison Moyet: Das war eine Art Punk. Dabei ging es mir nicht um die Musik, sondern eher um die kulturelle Einstellung. Ich fühlte mich in einer Gruppe von gleichgesinnten Freaks sicher. Da gab es Freunde, die konnten kein Instrument spielen, machten aber Musik. Dies war die pure Freude am Punk.
Harald Stein: Was kam nach den „Vandals“?
Alison Moyet: Da ich schon mit 16 Jahren die Schule verließ und nie einen Gedanken verschwendet habe, jemals eine Universität zu besuchen, wollte ich Sängerin bleiben. Nicht als Beruf, sondern als Berufung. Irgendwann war der Punk salonfähig. Das hat mich dann nicht mehr gereizt. Zu dieser Zeit entwickelten sich die „New-Wave und New-Romantic-Szene“. Diese Musikrichtung war viel harmonischer und melodischer. Das hat mir sehr gefallen. So änderte ich auch meinen Musikstil. Dann landete ich in der britischen „R & B-Szene“.
Harald Stein: Du hast eine fantastische kräftige Stimme. Hattest Du jemals eine Gesangsausbildung?
Alison Moyet: Diese Stimme wurde mir schon in die Wiege gelegt. Ich wollte auch nie wie eine Frau singen. Mit einer kräftigen maskulinen Stimme konnte ich mich besser durchsetzen. Wenn sich die Leute unterhielten und ich zu singen anfing, hörten sie mir sofort zu.
Harald Stein: Wie begann die Geschichte von „Yazoo“?
Alison Moyet: Ich hatte mit verschiedenen Blues-Musikern zusammengearbeitet und wollte etwas Eigenes machen. Ich gab eine Anzeige in einer Zeitung auf, worauf sich Vince Clarke bei mir meldete. Ich kannte Vince aus meiner Schule und wusste, dass er bei Depeche Mode spielte. Ich glaubte, dass er sich in Wirklichkeit nicht für mein Projekt interessierte. Unser erstes Zusammentreffen löschten meine Zweifel restlos aus. Ich war auch über die Art von Vince positiv überrascht, weil er sofort alles zu realisieren versuchte, was er sich auch vorgenommen hatte. Nach einer Woche hatte er den Song „Only You“ parat. Er sagte, dass dieses Lied Dave Gahan (Sänger von Depeche Mode) nicht gefiel. Ich aber war restlos begeistert. „Only You“ schoss dann auf Platz zwei der Brit-Charts.
Harald Stein: Wie gefiel Dir der Synthie-Pop-Sound von „Yazoo“?
Alison Moyet: Da ich musikalisch vielseitig bin und mich nie auf eine Musikrichtung festlgelegt habe, gefiel mir der Synthie-Pop-Sound sofort. Das hat sich eigentlich bis heute auch nicht geändert. Ich musste mich für diesen Stil nicht verbiegen, sondern meine Blues-Stimme passt sehr gut zu diesem Sound.
Harald Stein: Wie hat sich Dein Leben verändert?
Alison Moyet: Als Sängerin stand ich auf einmal im Mittelpunkt. Es kamen viele Fernsehauftritt, und die Presse stürzte sich auf mich. Das alles hat mich aber total überfordert. Am liebsten ging ich von der Bühne sofort direkt auf mein Hotelzimmer. Ich war agoraphobisch. Wir tourten durch die ganze Welt, ich aber habe damals bedingt durch meine Krankheit, meist nur die Bühne und das Hotelzimmer gesehen. Ich bin froh, dass das heute nicht mehr so ist. Deshalb habe ich schon viel von Deutschland sehen können.Du wohnst wirklich in einem sehr schönen Land.
Harald Stein: Ich danke Dir. Warum wurde „Yazoo“ aufgelöst?
Alison Moyet: Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte Yazoo weiterbestehen können. Wir waren wirklich gut und hatten viele Gigs. Die Leute liebten unsere Musik, aber Vince wollte von heute auf morgen aussteigen. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie er mir die Auflösung mitteilte. Ich bekam dann als Solokünstlerin einen Vertrag bei Sony und veröffentlichte einige Soloalben.
Harald Stein: Wie kam es 2008 zur Wiedervereinigung von „Yazoo“?
Alison Moyet: Ich hatte Lust wieder Live Musik zu machen. Nur in einem Studio abhängen ist nicht meine Sache. Ich schickte Vince ein Mail ob er nicht Lust hätte, alte „Yazoo-Zeiten“ aufleben zu lassen. Er hatte 1985 mit Andy Bell das Synthie-Pop-Duo „Erasure“ gegründet und wollte Andy nicht vor den Kopf stoßen. Aber Andy gewährte Vince eine Auszeit und bekräftigte meine Bemühungen. Dann ging es wieder auf Tour durch England und wir hatten auch einige Gigs in Amerika.
Harald Stein: Seit Deiner Zeit mit „Yazoo“ hast Du viele Kilos verloren. Du siehst fantastisch aus. Wie kam es zu diesem Sinneswandel?
Alison Moyet: Harald, ich danke Dir für Deine lieben Worte, aber im Kopf ist diese Gewichtsreduzierung bei mir immer noch nicht angekommen. Meine Psyche glaubt immer noch, ich bin fett. Nun bin ich auch keine 20 Jahre mehr und bemerkte im Laufe der Jahre, wie schwer mir das Laufen fiel. Ich wollte nicht schon in meinem Alter auf fremde Hilfe angewiesen sein. Früher trieb ich gerne Sport. Auch diesen wollte ich wieder ausüben. Ich sagte mir, dass ich mir diese Wünsche nur erfüllen kann, wenn ich mein Gewicht radikal verringere. Meine Kleidergröße hat sich geändert aber nicht meine Identität.
Harald Stein: Alison, ich danke Dir für diesen schönen Abend und wünsche Dir für Deine Zukunft alles Gute. Foto: Harald Stein
|