|
Das Multitalent Michael „Bully“ Herbig ist erfolgreicher Schauspieler, Produzent, Regisseur und Unternehmer. Aufgewachsen in München nutzte „Bully“ seit Anfang der 1990er Jahre seine frühen Kontakte zum Radio. 1991 erhielt der 43jährige bereits mit „Langemann und die Morning Crew“ seine eigene Sendung. Deutschlandweit bekannt wurde der Münchner durch das Fernsehen. 1997 bis 2002 lief auf PRO7 erfolgreich die „Bullyparade“ und von 2004 bis 2007 „Bully & Rick“.
Noch während dieser Comedyshows sammelte er bereits Erfahrungen in Kinofilmen. Diese ebneten den Weg zu seinem zweiten großen Erfolg als Schauspieler in den Komödien „Der Schuh des Manitu (2001)“, „(T) Raumschiff Surprise – Periode 1 (2004)“ oder „Wickie und die starken Männer (2009)“. Viele der Produktionen bei denen er als Schauspieler, Regisseur oder Produzent teilnahm, wurden von seiner Firma produziert. Bis heute hat er 18 Radio-, Film- und Fernsehpreise erhalten. DURCHBLICK-Journalist Harald Stein traf Michael „Bully“ Herbig vor der „Zettl-Filmpremiere“.
Harald Stein: Hallo Michael, warum nennt Dich jeder „Bully“?
Michael „Bully“ Herbig: Mit Michael hast Du mich etwas irritiert. Bully werde ich schon seit über 30 Jahren genannt. In meiner Klasse gab es sechs Jungs mit dem gleichen Namen. Wenn unser Lehrer beim Sport „Michael, komm mal her“ rief, machten sich gleich alle auf den Weg. Ich war fußballbegeistert und hatte ein Trikot von Bayern München an. Auf diesem Trikot war das Logo des Sponsors angebracht darauf stand: „Die Bullen kommen“. Nach dem mein Lehrer Bully rief, hatte ich sofort diesen Spitznamen.
Harald Stein: In dem neuen Film „Zettl“ spielst Du die Hauptrolle. Was ist das Thema in dieser Komödie?
Michael „Bully Herbig: Die Premiere von „Zettl“ ist am 31. Januar in München. Ich spiele darin den Chauffeur Max Zettel der mit allen Mitteln versucht, Chefredakteur einer Online-Zeitung zu werden. Er weiß alles, was man wissen muss, vor allem aber das, was eigentlich niemand wissen darf. Mit viel Charme, aber skrupellos, mischt „Zettl“ im bajuwarischen Dialekt die Berliner Szene auf. Als Reporter nimmt er die Reichen und Mächtigen bis zu den Möchtegern-Promis und die Volltrottel der Berliner Republik ins Visier.
Harald Stein: Wie war die Zusammenarbeit mit dem bekannten Regisseur Helmut Dietl?
Michael „Bully“ Herbig: Wenn man mit Helmut Dietl dreht, musst du dich an eine ganz andere Art des Filmemachens gewöhnen. Schon am ersten Drehtag habe ich bei Szenenwiederholungen sofort gemerkt, dass das Drehbuch einer Partitur gleicht. Er spielt uns zum Beispiel eine Szene vor und wir müssen diese genauso nachspielen. Ich habe von Helmut Dietl unheimlich viel gelernt.
Harald Stein: Hattest Du die Möglichkeit in diesem Film zu improvisieren?
Michael „Bully“ Herbig: Auf gar keinen Fall. Alles was Dietl vorgibt muss 100%ig umgesetzt werden. Helmut ist ein Perfektionist, was wirklich bewundernswert ist. Eigene Ideen kannst du gleich vergessen, da er ja die Szene schon komplett in seinem Kopf hat. Da stand immer ein Schild bei ihm: „Bitte keine Gespräche vor, neben und hinter mir. Danke.“
Harald Stein: Ist der Film „Zettl“ eine Fortsetzung der Society-Satire „Kir Royal“?
Michael „Bully „Herbig: Das habe ich schon sehr oft gehört, aber ein klares Nein! Die einzige Anspielung sind Dieter Hildebrandt als Paparazzi-Fotograf Herbie Fried und Senta Berger sowie die Baby-Schimmerlos-Freundin Mona Mödlinger. Auch die Lokation wurde geändert. „Zettl“ spielt nicht in München, sondern in Berlin, in einer anderen Zeit, mit anderen Menschen und mit einer anderen Moralvorstellung.
Harald Stein: Welche Figur wurde von „Kir Royal“ in den Film „Zettl“ doch herübergerettet?
'Michael „Bully Herbig: Wie schon gesagt, nur Dieter Hildebrand als Paparazzo-Urgestein Herbie Fried, der immer schussbereit an meiner Seite steht und die fantastische Senta Berger. In „Zettl“ agieren ganz andere Typen. Waren es in „Kir Royal“ die Promis und Pseudo-Promis aus der Münchener Schickeria der 80er Jahre, sind es in „Zettl“ Politiker und Berater in Berlin des 21. Jahrhunderts, die ihren Geltungsdrang auf die Spitze treiben. Harald Schmidt spielt einen stark schwäbelnden Ministerpräsidenten und Götz George gibt den Bundeskanzler.
Harald Stein: War es schon immer Dein Wunsch Schauspieler zu werden?
Michael „Bully“ Herbig: Das hat sich eigentlich so ergeben. 1991 fing ich in München bei einem Radio-Lokalsender an. Als „Bully“ moderierte ich 1992 für Radio Gong und danach für Radio Energy die Sendung „Langemann und die Morgencrew“. Für das Fernsehen wurde ich von PRO7 entdeckt. 1997 wurde auf diesem Sender die „Bullyparade“ ins Leben gerufen. Da war ich Schauspieler, Autor, Produzent und Regisseur in einer Person.
Harald Stein: Bist Du ein Workaholic?
Michael „Bully“ Herbig: So kann man das nicht sagen. Wenn ich einen eigenen Film drehe, bin ich zwei bis drei Jahre intensiv beschäftigt. Meine ausstattungslastigen Filme benötigten auch jede Menge Vorbereitungszeit. In punkto Zeit stumpft man etwas ab. Seit ich verheiratet bin, habe ich immer versucht, den Sonntag für meine Familie frei zu halten.
Harald Stein: Auf was muss ein Schauspieler besonders achten, wenn er bei Dir zum Casting eingeladen wird?
Michael „Bully Herbig: Darin bin ich vielleicht noch etwas altmodisch, denn es sind profane Dinge, auf die ich besonders viel Wert lege. Zum Beispiel Pünktlichkeit. Wer bei mir zum Casting eingeladen wird und zu spät kommt, braucht seinen Mund erst gar nicht zu öffnen. Auch eine schriftliche Bewerbung muss sauber und ordentlich sein, sonst ist sie chancenlos. Wenn es um meine Arbeit geht, bin ich selbst diszipliniert und pünktlich. Meine Uhr geht stets 10 Minuten vor, so komme ich nie zu spät.
Harald Stein: Spielt Ordnung und Sauberkeit eine große Rolle in Deinem Leben?
Michael „Bully Herbig: Es ist doch schön, wenn es im Haus ordentlich und sauber ist. Ich bin jetzt kein ausgesprochener „Monk“, räume aber nach dem Essen sofort das Geschirr weg. So kann ich unangenehme Essensgerüchen vorbeugen. Ich wäre auch nicht traurig, wenn sich unser Besuch schon an der Tür die Schuhe ausziehen würde. Fordern würde ich dies allerdings nicht.
Harald Stein: Wie sorgst Du selbst für Ruhe oder Entspannung?
Michael „Bully Herbig: Ich hatte einmal darüber nachgedacht meine E-Mails abzuschaffen. Es ist schlimm. Wenn ich meinen Computer starte, rattern zig Mails runter und die meisten mit dem gleichen Betreff. Wenn ich also die Letzten lese, weiß ich schon, was in den anderen steht.
Harald Stein: 2011 wurde in der Münchener Bavaria-Filmstadt das „Bullyversium“ eröffnet. Hast Du Dir mit diesem Museum ein Denkmal gesetzt?
Michael „Bully“ Herbig: Das ist kein Museum, sondern ein Unterhaltungshaus. Da kann man zwar über 300 Exponate aus meinem Fundus bewundern, wichtiger sind die interaktiven Elemente. Die Besucher haben hier die Möglichkeit auf einer Drehbühne in Uniformen Filmszenen von „(T)Raumschiff Surprise“ nachzuspielen oder in einem Synchronstudio das Schlossgespenst „Hui Buh“ nachzusprechen. Hier geht es vor allem um Spaß und Unterhaltung.
Harald Stein: Bully, ich danke Dir für die nette Unterhaltung und wünsche „Toi, Toi, Toi“ für den Zettl-Film. Foto: Harald Stein
|