Von Harald Stein
Mit 71 Jahren genießen viele Rentner schon einige Zeit den wohlverdienten Ruhestand. Aber hiervon ist der König des Hüftschwungs weit entfernt. Peter Kraus, die lebende Legende des Rock ´n´ Roll, lockt mit seiner Band, gut 1.500 jung gebliebene Fans in den Schwetzinger Schlossgarten. Er ist der „Opener“ des viertägigen Spektakels „Musik im Park“ des Veranstalters „Provinztour“.
Körperlich und stimmlich voll auf der Höhe, steht der deutsche Elvis Presley in schwarzen Hosen, weißen Hemd und flippigem Schuhwerk auf der Bühne. Man kann es fast nicht glauben, dass dieser Ausnahmekünstler schon in den späten fünfziger und frühen sechziger
des vergangenen Jahrhunderts ein Star war. Doch gleich mit “Rock Around The Clock” gibt er das Tempo vor. Von den "Blue Suede Shoes" über "Rock ‘n’ Roll Music" bis hin zu "Sugar Baby" lässt der Altmeister der flotten Teenagermelodien die 50er Jahre auferstehen. Bei „Tutti Frutti“, „Teddybär“, „Mit 17“, „Diana“ und „Wenn Teenager träumen“ flippt die Generation der 60er aus. Der einstige Rocken Roller Peter Kraus schwingt die Hüften, springt in die Luft, als wäre er der Teeny von einst. Der ewige Sunnyboy des deutschen Rock’n’Roll, hat eine Fan-Gemeinde, die ihn geradezu frenetisch Anfeuern. „Meine Damen, bitte verwandeln Sie sich heute Abend noch einmal in die 17-jährigen Bienen von damals", ruft er in die jubelnde Menge. Und schon kommen die ersten Junggebliebenen vor zur Bühne und legen ein Tänzchen hin. Als Entertainer unterhält er mit Charme, Witz und nimmt sich dabei charmant selbst auf den Arm. Bekannt wird
Peter Kraus, mit richtigen Namen „Peter Siegfried Krausnecker“, 1956 in einem Konzert mit Hugo Strasser, wo er „Rock A Beatin’ Boogie“, „Blues Suede Shoes“ und andere amerikanische Rock-Songs singt. Die Presse jubelt „Ein deutscher Elvis“. Über Nacht wird er ein Star mit Schmalzlocke und landet einen Hit nach dem anderen. Mit Cornelia Froboess dreht er Filme und singt: „ Va Bene“, „Que sera“ und andere Songs. Conny und Peter werden zum deutschen Traumpaar. Mit nicht einmal 30 Jahren hat Peter Kraus bereits über 12 Millionen Schallplatten verkauft. Im Jahr 2006 feierte der Star ein 50-jähriges Bühnenjubiläum, wobei er für sein Lebenswerk mit dem ECHO geehrt wurde. Fans hatte Kraus über die Jahre hinweg zwar auch gewinnen können. Doch vor allem die Älteren, die eben mit seiner Musik aufgewachsen sind, zählen zu seinen größten Anhängern und machten einen Großteil des Publikums aus. Die Songs von dem Wahl-Tessiner sind Ohrwürmer mit denen sie aufgewachsen sind, im Tanzunterricht Rocken Roll und am Strand das Transistorradio. Der Rock’n’Roller frönt seinem Faible für Swing mit Easy-Listening-Arrangements, wobei er die Texte der Klassiker fast alle selbst eingedeutscht hat. Der Titelsong „Nimm Dir Zeit“ ist eine Hommage an Dean Martins „Everybody Loves Somebody“, aus Henry Mancinis Tiffany-Frühstücks-Hit „Moonriver“ ist „Verzeih mir“ geworden, und den Queen-Song „Crazy
Little Thing Called Love“ hat die Ikone des deutschen Rock ´n´ Rolls zu einem swingenden „Ich werd’ noch verrückt nach Dir“ umfunktioniert. Die stärksten Momente hat das Konzert jedoch, als er die schnelleren Stücke wie "Kitty Cat" und "Rockin' All Over The World" von Status Quo singt. Seine siebenköpfige Band spielt solide und strotzt vor Spielfreude.
Zum Finale haben sich zahlreiche, überwiegend weibliche Fans vor der Bühne versammelt, aber auch einige Herren trauen sich zu rocken, was die Gelenke noch hergeben. Er schafft es, dass seine treuen Fans für zwei Stunden den Traum der ewigen Jugend träumen können. Die letzte Zugabe ist eine nostalgische Mitsing-Huldigung an die alte „Schwarze Rose, Rosemarie“, die keiner so schön zum blühen bringt, wie der „Ewig-Jugendliche“ Peter Kraus. Fotos: Haralds Stein
|