Seine Welt ist nicht die Unsrige. Sigmar Kratzin, der im Jahr 1940 im sächsischen Nerchau bei Leipzig zur Welt gekommene Verfechter des Phantastischen Realismus, eine dem Surrealismus nahestehende Kunstrichtung, die besonders nach der Belvedere - Ausstellung 1959/ 60 als andere Seite der Moderne, als eine Alternative zur abstrakten Malerei der 1950er und 1960er Jahre, weltweite Aufmerksamkeit erreichte, präsentiert im Alten Stadtsaal in Speyer Bilder seiner Schaffenszeit von 1960 bis 2010.
Kratzin absolvierte ein Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Josef Faßbender (Malerei) sowie Theo Otto (Bühnenbild), widmete sich danach dem Studium der Biologie, Chemie, Geographie und Kunstgeschichte an den beiden Universitäten Saarbrücken und Mainz.
Der ehemalige, in Speyer arbeitende Lehrer Sigmar Kratzin, der im pfälzischen Dahn zuhause ist, zeigt seit 1977 seine Werke in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen. Abgesehen von Deutschland auch im benachbarten Belgien, in Luxemburg und der Schweiz, in Italien sowie in Frankreich oder gar in Japan. Kratzin ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler, zudem im Berufsverband Bildender Künstler. Seine Bilder hängen unter anderem in Räumen des Auswärtigen Amtes, des Kultusministeriums Rheinland-Pfalz, der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel, der Stadt Kaiserslautern sowie des Industrieverbandes. Seine in den Bildern zum Ausdruck kommende märchenhafte, gleichzeitig aber auch bezaubernd wirkende Welt ist ein Reich der Phantasie, in der sich sowohl die Schönheit als auch der Schrecken die Waage halten. Der Künstler bedient sich dabei der Lasurtechnik der alten Meister, erprobt abstrakte Formen und Farbvisionen. Er kombiniert auf ungewohnteWeise Stillleben und Porträts, Genremalerei mit Abstraktem, Graphisches und Kubistisches und auch Surreales. Dabei sucht Sigmar Kratzin eine Mittellage zwischen Traumreich und Realismus auszuloten, unkonventionell, stilvoll. Er malt traditionell und phantastisch zugleich, und verbindet, - dies trifft den Kern seiner Aussagen wohl am deutlichsten- , "zwei Enden, die er zusammenfügt, ohne sie zu vermischen." In seinen Kompositionen findet der Betrachter die entfesselte Natur, aber auch die Frauengesichter des Symbolismus und die ganze geheimnisvolle verschwenderische Fülle der Natur. Seine Arbeiten sind dichte und vielschichtige Erzählungen, in denen realistische Momente mit Traum - Elementen zusammengefügt werden. Kratzin ist ein aufmerksamer und sensibler Zeitgenosse. Seine Inspiration ist genährt aus dem Reich der Poesie dem der Legenden und, was nicht unerwähnt bleiben sollte, aus dem Hauch des Obskuren und Geheimnisvollen. (oa/Foto: oa)
Sigmar Kratzin - Malerei des phantastischen Realismus von 1960 - 2010
Ausstellung im Alten Stadtsaal / Rathaus Rückgebäude, Maximilianstrasse 12, Speyer
Vom 09.09 - 03.10.2010
Einführung: Dr. Cornelia Vagt-Beck, Kunsthistorikerin aus Speyer
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