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Von Harald Stein
Einen erfolgreichen Angriff auf die Lachmuskeln des nahezu ausverkauften Bürgerzentrums unternimmt Bernd Stelter mit seinem vierten Kabarett-Programm „Mittendrin“. In Bruchsal geht es dem Comedien, Talkmaster und Karnevalist um die Krise des Mannes. „Mittendrin“ steckt er, kann nur noch die Zahlen aus dem Telefonbuch auswendig und das erklärt er so:
Der niedriger gewordene Testosteron-Spiegel führt dazu, dass er mit dem Kopf denken kann und das kennt er noch nicht, das kommt völlig überraschend, das ist neu für ihn. Was macht so ein Mann dann? Interessiert er sich plötzlich für die Architektur des ausgehenden 16. Jahrhunderts und für altgriechische Philosophie? Oder doch eher für eine wesentlich jüngere Frau. Der Mann, sein Alter, seine Libido, ein ständiges Thema für den Kabarettist. Tuschel-Thema bei den Damen, Stammtisch-Geprotze bei den Männern: „Wechseljahre? Kenn ich nicht, hab ich nicht. Sexprobleme? Nie gehabt“. Bernd Stelter ist da keine Ausnahme, er ist nämlich auch „mittendrin“, im Zenit des Lebens. Selbst 49 Jahre alt, im schwarzen T-Shirt und Hose, modisch aufgepeppt mit hellgrün-kariertem Hemd und gleichfarbigen Turnschuhen, weiß, wovon er redet. Er ist eben „mittendrin“ im Leben. Oder doch nicht? Den 90. Geburtstag gibt es, den muss es geben, der kommt schließlich jedes Jahr Silvester im Fernsehen. Die Hälfte von 90 ist 45.
Das wäre also die Mitte davon. Aber danach kommt 46, 47, 48 und 49. Letzteres ist eine richtig blöde Zahl. 49 ist gar nichts. Bernd Stelter ist 49, alles lässt so ein bisschen nach. Aber er behauptet trotzdem, das wäre noch „mittendrin“. Er ist halt Optimist, und Optimist muss man in diesem Alter leider auch sein. Damit die 50-Jährigen im Saal nicht den Kopf hängen lassen, weil sie mittendrin sind in der Krise, gibt der Stand-Up-Comedian und Geschichtenerzähler Lebenshilfe und macht Mut, auch wenn alles durchhängt und das Gedächtnis nachlässt. „50 Jahre alt zu sein, hat doch auch schöne Seiten. Man kann die Ostereier selbst verstecken, lernt jeden Tag neue Freunde kennen, weil einem bei den alten nicht mehr die Namen einfallen“. Immer schön optimistisch, und so gibt es ein paar Anleitungen, wie man mit Frauen umgehen soll, einige dezente Blicke ins eheliche Gemach und ein paar derbere Sprüche über das Zusammenleben, tagsüber und nachts. Zwischendurch greift Stelter immer wieder zur Gitarre und gibt einige seiner klangvollen Lieder zum Besten. Gekonnt schlüpft er in verschiedene Männerrollen, die allesamt in der gleichen Entwicklungsphase stecken, diese aber auf völlig unterschiedliche Weise meistern. Während der Eine vorsichtig schon Pläne schmiedete für ein Fitnessstudio im alten Kinderzimmer des 33-jährigen studierenden Sohnes, der zwar noch zu Hause wohnt aber sicherlich das „Hotel Mama“ bald verlässt, sinniert der versnobte Steuerberater der drei Mal geschieden, also pleite ist, über die unterschiedlichen Charaktere seiner Verflossenen. Mit Kittel angetan misst er das Zimmer des Studentensohnes aus, um dort sein Sportgerät zu installieren. Als DJ Bernie bei der Ü-30-Party, wo die Türsteher die Pflegestufe überprüfen, geht es um „betreutes Tanzen“ und es heißt „schüchtern, wenn
nüchtern – für alles offen, wenn besoffen.“
Nach der obligatorischen Zugabe und „Standing Ovation“, beantwortet Stelter am Ende von der Bühne aus Fragen, kündet ein neues Buch an, einen Krimi, „aber lustig“, und dass sein derzeitiges Programm auch auf CD zu haben ist. Er mag sein Publikum, und das mag diesen gemütlichen und nicht zu bösen Kumpel-Typen, der offenbar nicht alleine mittendrin steckt. Seine Schwächen sind auch die seiner Fans, er macht sie, stellvertretend für alle, zu stärken, indem er darüber lacht. Wenn man dem Text seines Liedes „Männer über 50“ glauben kann, dann geht hier das Leben wieder richtig los und Männer sind wieder „Mittendrin“. Fotos: Harald Stein
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