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"Am 27. und 28. Oktober in Speyer findet erneut auf Einladung von Professor Hans Herbert von Arnim bereits die 13. Speyerer Demokratietagung statt. Soweit so gut. Es ist ja zuerst einmal eine nicht unvernünftige Veranstaltung, welche Professor Doktor von Arnim da über die Jahre in Speyer etabliert hat. Es gibt jedoch einige Kleinigkeiten, die aus meiner Sicht erwähnt werden sollten. Zum Einen wäre da die enorme Vermessenheit der Hochschule für Verwaltungswissenschaften, eine Tagung unter der Begrifflichkeit „Demokratie“ abzuhalten, dafür jedoch eine immense Summe an Eintrittsgeldern zu verlangen.
Bis zu dreihundert Euro hat der interessierte Bürger zu entrichten, falls ihn sein Wissensdurst zur Teilnahme an dieser Tagung antreibt. Was daran demokratisch sein soll, ist mir ein Rätsel. Eventuell hat man Angst, dass Otto Normalverbraucher tatsächlich sein Interesse für den demokratischen Diskurs entdecken könnte und die heiligen Hallen der Hochschule stürmte? Diesen Eindruck macht eine derartig hochpreisige Veranstaltung auf mich, zumal sie an einer öffentlichen Schule stattfindet. Aber man ist es ja leider gewohnt, fremde Zeche zu zahlen, ohne was davon zu haben. Zum Anderen sind es die geladenen Redner(innen), die meine Empörung wecken. Es gehört zur Demokratie, dass man auch unsympathischeren Zeitgenossen den öffentlichen Auftritt nicht verwehrt, sicher. Aber muss deswegen auch die Medienlandschaft in Speyer still wie ein See ruhen, wenn Menschen sich in unserer schönen Stadt produzieren dürfen, deren groteske Thesen das ganze Land in der jüngeren Vergangenheit in Unruhe versetzten? Wo bleibt die aufrechte Empörung der Bürgerinnen und Bürger Speyers darüber dass Thilo Sarrazin, der auf öffentlichen Druck, auch der Medien, als Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank 2010 seinen Hut nehmen musste (warum dürfte leidlich bekannt sein) von der Hochschule in Speyer ein Forum geboten bekommt, seine hetzerischen Thesen auch weiterhin unters Volk zu bringen? Und auch andere demokratische „Sturmgeschütze“ nehmen an der Tagung teil, es sei hier Frau Dr. Gabriele Pauli genannt, die sich einst anschickte, den billig in den USA kopierten bayrischen Politzirkus à la Sarah Palin salonfähig zu machen, zum Glück für dieses Land ohne Erfolg. Oder nehmen wir den guten Herrn Hans-Olaf Henkel, ehemaliger Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, einer Lobbyorganisation der bedenklichsten Sorte, der vom Naturschutzbund Deutschland 1995 die Auszeichnung „Dinosaurier des Jahres“ für seine Verteidigung der Kernenergie verliehen bekam. Heute kennt man den Herrn Henkel als Möchtegern-Erneuerer der darniederliegenden FDP, aus der er gerne eine neue postneoliberale rechte Partei machen würde. Dem geneigten Leser der NACHDENKSEITEN mag er eher bekannt sein als dem Leser der Lokalzeitung. Diesen Menschen wird unter dem verbalen Deckmäntelchen einer „Demokratietagung“ die Möglichkeit geboten, den Nachwuchs der Deutschen Beamtenschaft in einer Weise zu beeinflussen und zu prägen, dass einem die Haare zu Berge stehen mögen. Dies ist durchaus nicht illegitim, wie ich oben bereits erwähnte. Aber völlig inakzeptabel ist das Schweigen der lokalen Medien und der Bürgerschaft zu den Vorgängen an der Hochschule. Zumal Herr Sarrazin an dieser Schule auch noch einen Lehrstuhl innehat, obwohl er sich als untragbar bei der Deutschen Bundesbank erwiesen hat! Wie kann man so einen Mann ohne Skrupel die nächsten Beamtengenerationen unterrichten lassen?" Sebastian Frech, Speyer. Hinweis: Die in Leserbriefen geäußerten Meinungen decken sich nicht unbedingt mit der Meinung der Redaktion.
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