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Jugendarbeit als Freizeitvergnügen: Dudenhofener Apotheker Roland Gödel vermittelt Jugendlichen auf Dreimastbark Werte der Toleranz
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LEBEN | MENSCHEN
Mittwoch, den 27. April 2011 um 14:43 Uhr
Von Hans Wels
Roland Gödel betreibt in Dudenhofen nicht nur die Löwen-Apotheke, sondern ist auch ehrenamtlicher Steuermann auf dem grünbetuchten Traumtraumschiff der Jugend, nämlich der „Alexander von Humboldt“. Der Fregattenkapitän der Reserve mit Sonderflagge als „Konvoikommodore“, nutzt seine Urlaubstage, um Jugendlichen die Grundsätze von Toleranz, Verlässlichkeit und Kameradschaft auf See beizubringen. Ob Junge oder Mädchen spiele dabei keine Rolle. Hoch in den Rahen, auf- oder unter Deck sind auf dieser Dreimastbark alle gleich. Nicht nur für die Backschaft muss jede/r mal ran, auch der Kapitän wird geduzt. Befehl und Befolgung beruhen auf gegenseitigem Vertrauen. Neben der 15-köpfigen Stammbesatzung können bis zu 45 „Trainees“ mitfahren.

 

Gödel segelte schon mit diesem Schiff über den Atlantik, durchs Mittelmeer sowie über die Nord- und Ostsee. Diesmal startete er beim Sonnenaufgang mit seiner Crew ab St. Malo und einem Tiedenhub von 12 Metern in die Nordsee. Davor gab es zur Besänftigung des Wettergottes einen kleinen Schluck aus der Cherry-Flasche mit der vorgetragenen Bitte: „Rasmus altes Rübenschwein, lass das laute Blasen sein“. Der erste Schluck ging für die Ausreise nach Steuerbord. Der zweite für die Heimreise nach Backbord und den dritten erhielt der Rudergänger. Trotzdem war die Wetterlage schlecht und es musste „unter Motor“ bis zur englischen Küste bei Dover gefahren werden. Weiter ging es unter vollen Segeln entlang der Kreidefelsen bis zur Temsemündung. Dann stromaufwärts, vorbei an Berühmtheiten wie Riesenrad, Westminster, Towerbridge und den Glaspalästen im Bankenviertel, „in denen sich unsere Takelage spiegelte“, erinnerte sich Roland Gödel. In Londons Hafen- und Umschlagsbecken wurde festgemacht. Und gleich in der Frühe gab es überraschenden Besuch – ein junges Pärchen wünschte sich vor ihrem Gang zum Standesamt eine Schifftrauung auf dem Großsegler.
 Auf 15 Reisen legte Steuermann Gödel mit der Alex 9 854 Seemeilen (18 250 Km) zurück. Seine längste Fahrt war von den Kanaren bis Kap Verden – nämlich 1 128 Seemeilen. Hinzu kommen nicht gezählte Seemeilen auf der Gorch Fock, wie anderen Seglern und Motoryachten. 15 000 Seemeilen legte er von 2004 bis 2009 bei Einsätzen als Erster Offizier auf dem zivilen Frachtschiff „Jutta“ zurück. Zusammen mit den Einsätzen bei der Bundesmarine kommen etwa 80 000 Seemeilen (150 000 Km) zusammen, was knapp vier Erdumrundungen entspricht.
Bei Nachtwachen auf seinen Fahrten nach Süden war es für den Nautischen Offizier immer wieder beeindruckend, wenn sich die Sternbilder veränderten. So wanderte der Große Wagen und Polarstern mit der Fahrt immer tiefer auf den Horizont zu. Wurde der Äquator überquert, gab es aufregende Neptunsfeiern mit verrückten Ideen für die Erstlinge – etwa das „Branding“. Zur Huld Neptuns wurde ein handgroßes eisernes „N“ zum Glühen gebracht und auf die Schulter gebrannt. Vergleichbar den Brandzeichen bei Pferden, aber unter ärztlicher Aufsicht. Dazu konnte der Marineoffizier und Apotheker schmerzstillenden Salbenmix anbieten.
 Von seinem letzten Törn unter Grünem Segel kam Roland Gödel jetzt kurz vor Ostern zurück – aber mit Wehmut. Denn nach 100 Jahren Salzwasserkontakt wird seine gute „Alex“ nun durch einen Neubau ersetzt – der „Alexander von Humboldt II“. Sie wird ab September als Jugendschiff eingesetzt. Mit ihr ist in Deutschland nach über 50 Jahren zum ersten Mal wieder ein Großsegler auf Kiel gelegt worden. Zum letzten Mal geschah dies mit der Gorch Fock II, die 1958 für die damals junge Bundesmarine bei Blohm und Voss gebaut wurde. Der Rumpf von Alex II ist ebenfalls grün, die Segel aber leider im „billigeren“ weiß.
Schon bald wird Roland Gödel wieder Seeluft atmen. Seine nächste Wehrübung als Konvoikommodore steht im Herbst an. Bild: Wels