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'Im Wald vom Wald lernen': Kinder können bei Rucksackschule des Forstamtes Zusammenhänge in der Natur selbst entdecken
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NATUR UND UMWELT | NATUR UND UMWELT
Mittwoch, den 22. September 2010 um 06:50 Uhr
"Auf bald im Wald." Dieser Gruß der Rucksackschule des Fortstamtes Pfälzer Rheinauen beinhaltet gleichermaßem Willkommen und Abschied. Am letzten Wochenende war es wieder einmal soweit . Zum zentralen Thema: Eichhörnchen - nicht immer nur putzig, trafen sich bei strahlendem Sonnenschein 30 Kinder mit oder ohne elterliche Begleitung sowie drei Praktikantinnen beim Ausgangspunkt Walderholung in Mutterstadt mit Försterin  Beate Werner.

"Im Wald vom Wald lernen", lautete auch an diesem  Samstag das Motto der Rucksackschule, denn nicht auf der Schulbank, sondern auf spielerische Weise sollen die Kinder den Wald erforschen und die Zusammenhänge in der Natur selbst entdecken. Eine wirkungsvolle Umwelterziehung kann am besten durch unmittelbares Erleben und eigenes Entdecken erfolgen. Durch diese unmittelbare Begegnung mit dem Wald soll auch das Verständnis für seinen Schutz und seine Pflege gefördert werden. Denn die Nähe zum Wald erweckt in den Kindern die Liebe zur Umwelt und Achtung vor ihr.
Während es auf der einen Seite zwar ein steigendes Umweltbewusstsein gibt, nimmt auf der anderen Seite die Naturkenntnis ab. Naturkontakte sind aber eine wichtige Voraussetzung für eine gesunde seelische Entwicklung von Kindern. Eine natürliche Umgebung verleiht den Kindern das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Die Kinder werden ruhiger und entwickeln mehr Gemeinschaftssinn. In der freien Natur können sie ihrer Phantasie freien Lauf lassen.
Längst weiß man, dass theoretische Informationen unzureichend sind, um einen positiven Zugang zum Wald, zur Natur und zur Umwelt herzustellen. Durch  Angebote wie der Rucksackschule können Kinder Wissen auf einfache Weise erlernen, indem sie befähigt werden, ihre Sinnesorgane einzusetzen und den Wald wird mit allen Sinnen zu erfahren. Nun zur Thematik: Für die possierlichen Eichhörnchen fängt ab Herbstbeginn eine äußerst arbeitsintensive Phase an, nämlich das Horten und Verstecken von Nahrungsvorräten für die unter Umständen strenge Winterzeit. Aus diesem Anlass bot sich das Tierchen in geradezu idealer Weise zu einem lehrreichen Forschungsobjekt für die jungen Nachswuchswissenschaftler, denn ein jeder kennt das putzige Kerlchen, das, wie sich bei näherer Betrachtung später herausstellen sollte, nicht immer unbedingt zum sprichwörtlichen Musterknaben gereicht.
Zu Beginn der auf 10 Uhr terminierten Exkursion berichtete nach einleitenden Sätzen von Försterin Werner jedes Kind über seine letzte Begegnung mit Eichhörnchen. Die Kinder hatten die Hörnchen nicht nur beim Klettern und Springen im Wald oder zuhause auf der Terrasse beobachten können, sondern auch beim Laufen auf dem Boden des Schulhofes, bei der Nahrungsaufnahme, beim Sammeln von Nüssen im Mannheimer Luisenpark. Aufgrund dieser Schilderungen machte Beate Werner die versammelte Schar mit dem Begriff des  Kulturfolgers vertraut, also Tieren, wozu auch Eichhörnchen zählen(oder auch Pflanzen), die aufgrund von durch den Menschen herbeigeführte landschaftverändernde Maßnahmen Vorteile erlangen und deshalb dem Menschen dann in seine Kulturlandschaften (Äcker, Wiesen, Verkehrswege, Siedlungen, Parkanlagen, Friedhöfe) folgen. Anschließend erhielten die Kinder Stofftaschen und schwärmten aus, um darin im Wald die Nahrungsmittel der Hörnchen zu sammeln. Wie sich bei der Präsentation der Funde  heraustellte, trat bei der Erfassung des Nahrungsspektrums allerhand Wissenswertes zutage. Außer Eicheln und Nüssen breiteten die Kinder Knospen, Rinde, Bucheckern, Kiefernzapfen und Pilze als Nahrungsquellen der kleinen Rotpelze auf dem Bodentuch aus. Auch eine Feder war darunter: Sollte  die kleine Sammlerin bzw. der kleine Sammler hierbei einem groben Irrtum aufgesessen sein? Keinesfalls. Als aufgeweckter Naturexperte hatte dieses Kind, gewiß bereits vorher das gehört, was Försterin Werner nun zum Erstaunen der meisten Zuhörer zum besten gab. Das putzige Tierchen tut sich neben dem bereits Erwähnten auch noch an Beeren, Obst, Samen und Körnern gütlich. Jedoch stehen auf des Eichhörnchens Speisekarte auch  wirbellose Tiere wie Würmer und sogar Vogeleier und Jungvögel.
Der baumbewohnende und kletternde Allesfresser hält keinen Winterschlaf, sondern eine Art Winterruhe, bei der er in seinem, Kobel genannten Unterschlupf, abwechselnd schläft, wacht und dabei frißt. Eichhörnchen legen aus diesem Grunde im Herbst Vorräte für den Winter an. Wichtig ist, dass sie bei ihrem Unterfangen genügend Nahrung finden, um ihre Vorratslager zu füllen. Nicht immer gelingt dies, und in besonders harten Wintern können etliche Tiere verhungern. Eichhörnchen vergraben die Nahrung mit Vorliebe in ausgescharrten und wieder mit Erde festgedrückten Bodenlöchern oder verstecken sie in Rindenspalten oder Astgabeln als Wintervorrat.
Im Winter dienen diese Vorräte oft als einzige Nahrungsquelle. Werden die eingegrabenen Vorräte vergessen,  beginnen die Samen im Frühjahr zu keimen. Deshalb spricht man den Eichhörnchen eine wichtige Rolle bei der Erneuerung und Verjüngung des Waldes zu. Bisweilen stoßen auch andere hungrige, geruchsaktive Waldbewohner wie Mäuse auf die Verstecke und plündern die unverhofft entdeckten Bodenschätze. Für das Wiederfinden der im Herbst gesammelten Nahrung ist  ein ausgeprägter Geruchssinn unabdingbar. BIs zu einer Schneedeckenhöhe von gut 30 Zentimetern vermag ein Eichhörnchen deshalb problemlos seine Nahrungsspeicher wieder aufzufinden. Beim Fressen  bedient sich das Tier seiner 22 Zähne, die die Fähigkeit besitzen, sich selbst zu schärfen und nach der erfolgten Abnutzung, von unten nach oben in der Substanz nachgeschoben werden. Der Unterkiefer ist geteilt; ein Umstand, der die Tiere dazu befähigt, die Zähne wie eine Pinzette zu handhaben. Welche wundersame Konstruktion, denn diese spezielle anatomische Variante ermöglicht es dem Hörnchen beispielsweise den Kern einer Nuss, nachdem eine Öffnung in der Frucht hergestellt worden ist, akkurat herauszuholen. Neben dem Fachwissen über den Wald versteht es Beate Werner auf wunderbare Weise ebenso ihre eigene Beziehung zur Natur weiterzugeben und zu vermitteln. Dazu dienen auch Spiele wie das folgende: KInder und Erwachsene verwandelte sie fix in Eichhörnchen. Jedes "Tier" erhielt sodann acht Nüsse zum verstecken. Im folgenden "Spielwinter" war es nun Aufgabe eines jeden Hörnchens, seine Futterverstecke wieder aufzuspüren und für die Monate Dezember bis einschließlich Februar jeweils eine gewisse Anzahl an Nüssen quasi zum Überleben vorzuweisen. Wer das jeweilige Monatssoll (3,3,2) nicht erfüllen konnte, weil eines der Verstecke unauffindbar geworden war, schied aus und mutierte alsbald zum Mäuschen, also einem "Nesträuber" , der einigen der noch verbliebenen Eichhörnchen durch raffiniertes Auskundschaften und Ausplündern von Verstecken den Garaus machte. Am Ende des Spieles war ein gutes Drittel der Eichhörnchen auf der Strecke gebklieben. In Wirklichkeit überleben nur 20 % der Jungtiere ihren ersten Winter. Danach haben sie aber Chancen bis zu 12 Jahre alt zu werden. Die kleinen Naturforscher/ innen hatten sich die nachfolgende Pause mehr als redlich verdient und lauschten auf dem rasch aus Zweigen errichteten Kobel sitzend, gespannt und lautlos der von Beate Werner vorgetragenen Geschichte vom "Eichhorn und dem Fuchs". An einem mitgeführten Präparat  betrachtete die Schar danach den Körper des Tieres und seine auffäligsten Merkmale, nämlich den buschigen Schwanz, die starken Hinterbeine, auf denen das Hörnchen beim Sprung stets zuerst landet. Diese sind  länger als die Vorderbeine. Als weitere Charakteristika gelten beim Eichhörnchen die langen Schnurrhaare, im Winter die Haarpinsel an den Ohren, sowie die im Gegensatz zur Sommerzeit behaarten Fußsohlen. Eichhörnchen sind tagaktiv. Die Tiere klettern sehr geschickt und bewegen sich stoßweise voran, ihre Bewegungen sind sehr schnell und präzise. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie einen Baumstamm hinauf oder, mit dem Kopf voran, hinunter klettern. Wenn sie abwärts klettern, drehen sie ihre hinteren Pfoten nach außen und hinten  Mit einem Sprung können die Tiere leicht Entfernungen von vier bis fünf Metern überbrücken. Eichhörnchen wagen sich wegen ihres geringen Gewichtes auch auf sehr dünne Zweige, dabei bewegen sie sich stets springend vorwärts. Auch auf dem Boden bewegen sie sich in Sprüngen.
Zum Schlafen und Ruhen bauen Eichhörnchen Nester, die Kobel genannt werden. Dabei handelt es sich um kugelförmige Bauten. Sie werden in einer Astgabel oder an der Basis eines Astes platziert,  Der Kobel wird aus Zweigen, Nadeln und Blättern errichtet, innen wird er mit Moosen, Blättern und Gras ausgepolstert. Er ist ziemlich wasserdicht und bietet durch die dicke Wandstärke im Winter einen guten Wärmeschutz. Die Kobel besitzen mindestens zwei Schlupflöcher, wobei eines davon immer nach unten weist, weil Eichhörnchen, anders als Vögel, von unten in ihre Behausung gehen. Natürlich haben die Tiere auch Feinde unter den Waldbewohnern. In erster Linie rechnet man dazu den Baummarder, einen ebenfalls sehr geschickten Kletterer. Während das Eichhörnchen am Tage durch sein geringeres Gewicht im Vorteil ist, überrascht der nachtaktive Baummarder das Eichhörnchen gern im Schlaf. Weitere Feinde sind Habicht , Mäusebussard und, wo sie anzutreffen sind, Wildkatze und Uhu. Junge Eichhörnchen fallen in den Kobeln oft Wieseln zum Opfer, während der angebliche Hauptfeind Meister Reineke beim Beutemachen eher selten zum Zuge kommt. Trotzdem ging es beim Abschlussspiel  "Fuchs und Eichhörnchen"-  als immer wieder beliebtes und erfolgreiches variantenreiches Finale - darum, nicht vom Fuchs gefangen zu werden. Beim Abschied erhielt jedes der Kinder als Erinnerung an den erlebnisreichen Tag  von Beate Werner ein Papierdokument mit einem besonderen Stempel, nämlich dem Pfotenabdruck des rotbepelzten Klettergenies. Auf bald im Wald! (oa/Foto: Privat)