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Lorenz-von-Stein-Preis für herausragende Doktorarbeit über scheinbar irrationales Verhalten
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GESELLSCHAFT UND KIRCHE | SCHULE-UNI-BERUF
Dienstag, den 29. Juni 2010 um 05:14 Uhr
Der 29-jährige Diplom-Sozialwissenschaftler Clemens Kroneberg ist von der Lorenz-von-Stein-Gesellschaft e.V. für die beste sozialwissenschaftliche Dissertation der Universität Mannheim ausgezeichnet worden. Die Fördergesellschaft des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung

(MZES) prämiert seit 1999 jährlich die beste Doktorarbeit aus den Fächern Politikwissenschaft, Sozialpsychologie oder Soziologie. Der Lorenz-von-Stein-Preis ist mit 1.000 Euro dotiert.
In seiner Arbeit "Das Modell der Frame-Selektion. Grundlagen und soziologische Anwendung einer integrativen Handlungstheorie" befasst sich Kroneberg mit der Frage, warum sich Menschen manchmal von Werten und Normen leiten lassen, obwohl andere Handlungsoptionen rationaler erscheinen. "Wir alle kennen und praktizieren derartige Verhaltensweisen", erklärt der Vorsitzende der Lorenz-von-Stein-Gesellschaft, Prof. Dr. Jan W. van Deth.
"Zum Beispiel gehen die meisten von uns wählen, obwohl wir wissen, dass unsere einzelne Stimme nicht entscheidend ist. Andere Menschen engagieren sich ehrenamtlich für die Allgemeinheit, anstatt ihre Freizeit bequemer zu verbringen oder sie gewinnbringend zu investieren."
Andererseits sei offenkundig, dass Menschen nicht willkürlich handeln, sondern eigenen Wahrnehmungen und Interpretationen folgen. "Man muss daher sowohl die Rahmenbedingungen des Handelns als auch den Ablauf des Entscheidungsprozesses berücksichtigen", so van Deth weiter. Alle bedeutenden Sozialwissenschaftler hätten sich mit dieser Thematik beschäftigt, aber es sei bis heute nicht gelungenen, beide Punkte erfolgreich miteinander zu verbinden. "In seiner Dissertation geht Clemens Kroneberg dieser Debatte auf den Grund. Viel wichtiger ist aber, er bietet in Form eines Modells auch eine Lösung des Problems", so der Vorsitzende der Lorenz-von-Stein-Gesellschaft in seiner Laudatio. Unter mehreren mit der Bestnote "summa cum laude" ausgezeichneten Arbeiten habe die Dissertation von Kroneberg bei den Juroren daher besonderen Eindruck hinterlassen.
Clemens Kroneberg ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie von Prof. Dr. Frank Kalter. Am MZES ist der Preisträger zudem Co-Leiter des Forschungsprojekts "Children of Immigrants Longitudinal Survey in Four European Countries", kurz CILS4EU. Die Studie untersucht die Entwicklung von Einwandererkindern der zweiten Generation in Deutschland, Großbritannien, Schweden und den Niederlanden im Vergleich.
Der Lorenz-von-Stein-Preis wurde im Rahmen der Absolventenfeier der Fakultät für Sozialwissenschaften am heutigen Freitag, den 25. Juni 2010, überreicht. (spa)