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ISG-Männer-Sexualitäts- und Gesundheitstage - Frischen Wind in die Beziehung bringen
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GESELLSCHAFT UND KIRCHE | Seniorenmagazin
Dienstag, den 04. Mai 2010 um 07:00 Uhr

Von Hans Wels
Sexuelle Probleme nehmen mit dem Alter zwar zu, aber zum Glück der sexuelle Leidensdruck ab. Statt sich vom Partner abzuwenden, lässt sich durch Offenheit und Fantasie frischer Wind in die Beziehung bringen. Dabei ist gegenseitiges Heilen möglich. Und vieles mehr konnten Besucher der ISG-Männer-Sexualitäts- und Gesundheitstage in Freiburg erfahren.

„Liebe hält gesund“, war das Logo des Informationszentrums für Sexualität und Gesundheit (ISG), das parallel zu den „fit for life“- Frühlingstagen auf dem Freiburger Messegelände ausstellte. Mit begehbarem Prostatamodell, Vorträgen, Expertenforum und Männer-Check-up, war der ISG-Stand eine gut besuchte Anlaufstelle für alle Fragen rund um Lust und Liebe, Partner- und Sexualproblemen. Dabei verfolgte ISG das Ziel, die gesunden Wirkungen der Liebe auf fachgerechte und unterhaltsame Weise in das Bewusstsein der Bevölkerung zu tragen – als gesellschaftlichen Beitrag, sexuelle Störungen zu minimieren.
ISG-Vorstandsmitglied PD Dr. Michael Berner informierte über Studien, wonach Männer mit regelmäßigen Orgasmen weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle bekämen. Sexualaktive Frauen und Männer hätten demnach eine höhere Lebenserwartung, bessere Immunabwehr und ein vermindertes Risiko für Brust- und Prostatakrebs. Sexualhormone würden für Entspannung und Wohlgefühl sorgen und schützten die Gesundheit. Auch die Eigenliebe war für Berner kein Tabu. Früher noch als „Selbstbefleckung“ und Ursache für Erblindung und Impotenz geächtet, könnte sie eine natürliche Therapie gegen Versagensängste, vorzeitigem Samenerguss und Testosteronmangel sein.
Über männliche Sexualstörungen referierte ISG-Chef und Urologie- Direktor der Uniklinik Freiburg, Prof. Dr. Ulrich Wetterauer. Den Teufelskreis der Versagensangst bei Erektionsstörungen (Erektiler Dysfunktion = ED) können Ärzte mit verschreibungspflichtigen Medikamenten durchbrechen – Stichwort: „Viagra“. Das häufigste sexuelle Problem des Mannes sei aber der vorzeitige Samenerguss (Ejakulatio praecox). Er führe zu Versagensängsten und würde Paarbeziehungen ernsthaft belasten. Doch auch dagegen gäbe es Medizin mit Erfolgsquoten zwischen 40 – 86 Prozent, manche auch mit Nebenwirkungen. Doch Wetterauer schränkte ein, ehe man so etwas nehme, sollten Betroffene erst einmal für sich definieren, wie früh „vorzeitig“ ist. Dazu wurde der Männerprofessor Dr. Frank Sommer zitiert. Er ließ Paare mit der Stoppuhr testen. Nach seiner Studie kamen sexualzufriedene Freiwillige durchschnittlich nach 3,1 Minuten und die Praecox-Patienten nach 2,32 Minuten zu Orgasmen. Also hielten die Gesunden ganze 29 Sekunden länger durch als die „Kranken“.
Über einen weiteren Sexkiller, den Testosteronmangel, redete Urologie-Oberarzt Dr. Christian Leiber von der Uniklinik. Neben dem Nachlassen der Muskelkraft, Zunahme des Fettgewebes, depressiver Stimmungslage und Prostataproblemen, sei der fallende Testosteronspiegel oft ein Problem des alternden Mannes. Denn er schränke das sexuelle Verlangen ein. Bei einem 65- bis 75-jährigen sollte der T-Wert deshalb nicht unter 8 ng/ml liegen. (T-Werte von 18 – 25 Jährigen liegt normal bei 24 ng/ml). Auch hier sollte man ärztlichen Rat einholen.
Für Partnerschaften, die unter Sexproblemen leiden, gab Sexualberaterin Dr. Dipl. Psych. Corinna Pette zu bedenken, dass sexuelle Zufriedenheit mehr ist, als nur rein sexuelles Funktionieren. Bei ihrem Experten-Workshop – mit Rollenspielen – empfahl sie Betroffenen bei sexuellen Defiziten, „ es nicht nur ‚machen’ - es soll auch Spaß machen“. Sich unbefangen Wünsche austauschen, die „Speisekarte“ wechseln oder die „Speisefolge“ ändern. Gleichberechtigung sei angesagt. Nicht nur auf Probleme schauen. Den Humor behalten. Es sei alles normal, was beiden gefalle“, tröstete die Sexualtherapeutin.
Die Pausen zwischen den Vorträgen nutzten besonders die Teilnehmerinnen eifrig zum Infoaustausch. Dabei wurde das Ego des Mannes kritisiert. Er sollte sich nach vorzeitigen Erguss oder Erektionsproblem nicht gleich zum Schnarchen auf die andere Seite legen, stattdessen sich nun besonders fantasie- und liebevoll um seine Partnerin kümmern. Gleichzeitig wäre das ein Weg zur Heilung.
Laut ärztlichem Vizedirektor der Uniklinik Freiburg, Prof. Dr. Wolfgang Schulze-Seemann erweise sich regelmäßige Beckenboden-Gymnastik günstig für die männliche Potenz wie auch für die Prostatagesundheit. Er sprach sich für die Früherkennung von Prostatakrebs durch regelmäßige PSA-Tests aus. Der Urologe schränkte aber ein, dass diese Tests auch Risiken bergen – „die aufklärungspflichtig sind“. Um die Zahl der Übertherapien zu senken, sind zum PSA-Wert daher weitere Infos notwendig, forderte Schulze-Seemann.
Das in der ISG-Ausstellung begehbare Prostata-Modell zeigte im Inneren ein betastbares Prostatakarzinom. Im Flyer der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Mainz wird die Prostata sogar respektlos als Bombe dargestellt. Solche Kampagnen verunsichern und zwingen geradezu zum PSA-Test. Frage eines Laien, warum wird in der Ausstellung die Prostata auch noch falsch als „Vorsteherdrüse“ bezeichnet? Ist sie ein vorstehendes lästiges Hindernis – eine OP-Sache? „Pro“ heißt doch „für“! Deshalb müsste die Prostata in der korrekten Übersetzung und seiner Funktion entsprechend: „Drüse fürs Stehen“ heißen, mehr: Prostata (Intern: spa v. 5.11.09: „Aktiv Altern“: Pro-Stata)
Bei den Männer-Check-ups mit Ärzten und Wissenschaftlern konnten sich interessierte Laien bis in kleinste Details umfassend informieren – sofern es um Symptome, Diagnosen und Therapien ging. Dagegen blieb die Ursachenfindung, weshalb es zu den Krankheitsanzeichen kam, Chefsache von „Dr. Ich“. Schließlich kenne sich jeder bei sich selbst am Besten aus. Warum sollte der Laie nicht auch aus den vielen zugänglichen Quellen unserer Info-Gesellschaft schöpfen? Schussendlich trägt er doch die Hauptverantwortung für sein Verhalten und somit für seine Gesundheit, mehr: Salutogenese (Intern: spa v.2.8.09: „Aktiv Altern“: Gesunder Lebensstil) und fit statt fett (Intern: spa v. 8.9.09: „Aktiv Altern“: Fit statt fett)
Das Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit e.V. (ISG) Geschäftsstelle im Uniklinikum Freiburg gibt das Magazin „Liebe hält gesund“ heraus. Unter Infoline 0180-555 8484 (0,14 €/Min) bietet das ISG Hilfen bei sexuellen Störungen an, mehr: www.isg-info.de