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Römerberg: Krankmachender Verkehrslärm - Podiumsdiskussion mit Verkehrsexperten - Tempolimit 30 auf innerörtlichen Kreisstraßen gefordert - VIR setzt jetzt auf politische Lösung
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VORDERPFALZ | Uebersicht Vorderpfalz
Montag, den 21. November 2011 um 09:05 Uhr
Von Hans Wels
Römerberg werde durch seine enormen innerörtlichen Verkehrsprobleme zur „hässlichen“ Gemeinde. Deswegen hat die Verkehrsinitiative Römerberg (VIR) Verkehrsexperten zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Immer noch habe der Kraftfahrverkehr hier Priorität und darf zwischen Gutenberg- und Schulstraße durch den kulturellen Ortskern mit 50 Sachen an Kindergarten, Altenheim, Media Thek, Gastronomie und sieben Straßeneinmündungen vorbeibrettern. Lösung wäre eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Km/h. Dies wurde bereits auf Betreiben des Bürgermeisters einstimmig von allen Parteien beschlossen. Doch die Kreisverwaltung lehnt ab, weil die Kreisstraße 25 betroffen ist.

Auch Podiums-Moderator Dr. jur. Werner Finger hielt eine 30 Km/h-Zone für angemessen. Er wies darauf hin, dass die Aufprallwucht bei 50 km/h 2,8 mal höher liege als bei 30 km/h und der Zeitgewinn bei 50 km/h innerörtlich nur wenige Sekunden betrage.
 Biologin Dr. Helga Schmadel vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert mehr Eigenverantwortlichkeit, besondere Rücksichtnahme auf Kinder, Behinderte, Senioren, Vorrang für querenden Verkehr und gleichberechtigte Partnerschaft im Straßenraum. 87 % der Bevölkerung seien für verkehrsberuhigte Bereiche, denn „Straßen sind zum Leben da“. Verkehrsberuhigung bringe mehr Sicherheit für alle, weniger Lärm und Vibrationen, mehr Lebensqualität und wirtschaftliche Attraktivität für Geschäfte und Kunden. Zur Umweltstrategie empfiehlt die Biologin eine Richtgeschwindigkeit von 30 km/h, dann erübrigten sich Begrenzungen für Radfahrer und Fußgänger. Schnellere Bereiche müssten extra ausgewiesen werden. Im verkehrsberuhigten Bereich sei sogar Schritttempo (10 bis 20 km/h wie in der Schweiz) angeraten. Rad- Fuß- und öffentlicher Verkehr sollten gefördert werden und Autos effizienter benutzt werden: In zwei Drittel aller Autofahrten sitze nur der Fahrer, sagte Helga Schmadel.
 Dipl. Ing. Sascha Baron vom Institut Mobilität und Verkehr der TU Kaiserslautern hatte sich von der Römerberger Situation, besonders in Berghausen, selbst ein Bild gemacht: „Solange hier Autos Vorfahrt haben, bleibt es ein ‚hässlicher‘ Ort“. Hier herrsche Lärmbelästigung, Zerschneidung und Unsicherheit. Verursacher sind meist die Einwohner selbst. Der Römerberger Quellverkehr liege bei mehr als 90 %. Der Lärm mache krank, Abgase belästigen und es bestehe Unfallgefahr. Der öffentliche Raum sei „reserviert“ für fahrende und abgestellte Fahrzeuge. Mitbenutzung von Fahrzeugen („Shared space“) wäre hilfreich. Bei 30 km/h (statt 50 km/h) würde der Lärm um 3 dB (A) reduziert. Die gefühlte Belastung entspreche dann nur 50 % des tatsächlichen Kraftverkehrs-Aufkommens.
 Ingenieur Volker Knödler vom Planungsbüro „Stadt Land Bahn“, brachte Beispiele über ortsgerechte Gestaltung und Nutzungsansprüche an Ortsstraßen. Mit Begegnungszonen, Knotenpunkten, echten Verengungen, Baumbepflanzungen, die signalisierten, dass jederzeit jemand aus dem Hausflur treten könnte. Die Straßengestaltung müsse auch Absperrungen für Feste und Veranstaltungen vertragen können. Der Langsam verkehr könnte damit attraktiver werden.
Speziell für Römerberg gab Knödler die Empfehlung, alle Hauptstraßen um- und rückzubauen, Tempo 30-Zone, Shared Space, Markierung der Ortseinfahrt mit Fahrbahnteiler, Baum Tor, Kreisverkehr, Materialwechsel im Bodenbelag und Straßenverengungen.
Anne Spiegel, Landtagsabgeordnete der Grünen, will sich in Mainz für eine generelle  Durchfahrtsgeschwindigkeit von 30 km/h und einen Verkehrsfluss für Nichtautofahrer in ihrem Heimatort stark machen. Schließlich gäbe es in Rheinland-Pfalz bereits 800 Gemeinden mit 30 Km-Begrenzung. Für das Modellprojekt: Tempo 30 und Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs will sie Römerberg auf die Liste setzen. Dabei hoffe Anne Spiegel auf wohlwollende Unterstützung der Landesregierung.
Bei den anschließenden Wortmeldungen kamen viele Emotionen und Resignationen hoch. Betroffene sagten, dass sie diesen 30jährigen Kampf gegen Windmühlen über haben.
 Helene Ludwig, Vorsitzende der Bürgerinitiative Edigheim, informierte, dass es in  Rheinland-Pfalz bereits 86 BI’s gäbe und die Politik gut daran täte, sich endlich mit der Bevölkerung auf gleiche Augenhöhe zu begeben.     
VIR-Vorsitzender Martin Skade und sein Sprecher Heinrich Dörr sind sich einig, dass für Berghausen als Nadelöhr des enormen Durchgangsverkehrs nach Norden endlich etwas geschehen müsse. Dörr versteht nicht, wieso der einstimmige Wille auf eine 30 km/h-Strecke auf der K 25 abgeschmettert werde. Im nahen Umland gäbe es doch nicht nur Kreisstraßen, sogar auch Landstraßen und Bundesstraßen, auf denen Streckenweise 30 km/h zugelassen wurden. Dies belegte er mit Bildern.
(Foto: Hans Wels)