„Kristian hat darunter gelitten, dass er keine Großeltern hat. Die anderen Kinder im Kindergarten haben immer von ihren Omas und Opas erzählt. Kristian kam dann zu mir und war traurig. Denn er hatte keine Großeltern, die sich auf ihn freuen, mit ihm spielen und einfach für ihn da sind.“
Während Kristians Mutter noch spricht, kommt der fünfjährige blonde Junge um die Ecke in das Wohnzimmer gestürmt. Er lacht, hebt die Hände in die Höhe und strahlt: „Spielen wir jetzt?“ ruft er den beiden Erwachsenen zu, die am Tisch sitzen. Dann kommt er näher und schmiegt sich an die Seite von Helga Geller. „Gleich“, antwortet sie geduldig, umarmt ihren neuen „Enkel“ und streichelt ihn. Und obwohl sich Kristian und „Oma“ Helga Geller erst seit wenigen Wochen kennen, scheint es, als gehöre der kleine Junge schon ganz zur Familie.
Kristian - der Junge, der sich immer nach einem Opa und einer Oma gesehnt hat –und das Ehepaar Geller: Sie haben sich gesucht und beim Opa-Oma-Service der Lokalen-Agenda-Gruppe der Stadt Hockenheim gefunden. Zuvor hatte Helga Geller nach einer Aufgabe gesucht, die mit jungen Menschen zu tun hat. „Nur nicht wieder mit Alten“ erklärt sie augenzwinkernd, warum sie als langjährige Leiterin eines Seniorenheims sich nun um ein quasi fremdes Kind kümmert. Und erklärt auch gleich, weshalb sie es so schön findet, den Kleinen bei sich und ihrem Mann zu haben: „Kinder, das ist etwas Frisches, Natürliches. Da gibt es neue Ideen und es ist lebendig im Haus.“ Und dieser frische Wind hat sich mittlerweile auch auf Helga Gellers Mann übertragen. „Opa“ Friedrich ist inzwischen mit von der Partie, wenn Kristian zum Spielen, Kuscheln und Erleben ins Haus kommt.
„Hast Du denn schon mal Schildkröten gesehen?“ fragen die Gellers den wissbegierigen Jungen. „Wo?“ antwortet er und startet mit Oma und Opa auf den Balkon. Die drei betrachten in aller Ruhe die Tiere, dann erklärt Opa Kristian, was Schildkröten brauchen und zu welcher Rasse sie gehören. Helga Geller erinnert sich derweil an das erste Treffen mit Kristians Mutter. „Ich hatte bei der Zukunftswerkstatt der Stadt Anfang des Jahres mitgemacht. Dann bin ich zum ersten Treffen des Opa-Oma-Services gegangen. Und da hat mir Kristians Mutter gut gefallen.“
Und doch hatte die gestandene Dame, deren jüngster Enkel inzwischen 14 Jahre ist, auch ein wenig Angst vor dem, was kommt. „Man fragt sich dann schon: Kannst du die Erwartungen erfüllen, die die Eltern an Dich stellen?“ Heute ist sie froh, dass sie den Schritt gewagt hat und nun eine erfüllende Aufgabe hat. Und sie hofft, dass sich noch viele Menschen in Hockenheim bereit erklären, Oma und Opa auf Zeit zu sein. „Was kann man denn besseres für das Zusammenleben von Jung und Alt tun als sich zu helfen und füreinander da zu sein“, fragt sie. Kristian jedenfalls ist glücklich. Er hat nun das, wonach er sich lange gesehnt hatte: Eine Oma und einen Opa. Und letztens fragte er schon seine Mutter: „Warum wohnt Oma eigentlich nicht bei uns?“
Info:
Der Opa-Oma-Service sucht noch Großeltern auf Zeit. Beim Opa-Oma-Service werden Ersatz-Opas oder Ersatz-Omas mit interessierten Familien zusammengebracht, deren Kinder dann ehrenamtlich betreut werden. Weitere Informationen zum Service geben:
Hildegard Jahn-Petermann, Telefon: 06205-7309, E-Mail:
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oder
Christiane Hölzer-Hößler, Telefon: 06205-2890 448, E-Mail:
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