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Stadtarchiv Speyer präsentiert Tätigkeitsbericht und neue Vortragsreihe - vier Veranstaltungen mehr als im Vorjahr
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SPEYER | Uebersicht Speyer
Donnerstag, den 26. Januar 2012 um 16:54 Uhr
Bürgermeisterin Monika Kabs zeigte sich ziemlich überrascht, als sie im Stadtarchiv von Leiter Dr. Joachim Kemper erfuhr, dass der letzte, ausführliche Tätigkeitsbericht der Institution vor knapp 100 Jahren verfasst worden war. Erst der seit einem Jahr in Amt und Würden stehende Kemper und sein Team haben es geschafft, mit der Neuauflage 2011 Verwaltung und Interessenten gleichermaßen zu begeistern. Im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag, beleuchtete Kemper die um vier Themenkreise erweiterte Vortragsreihe 2012 und erläuterte neben besagtem Tätigkeitsbericht Details zum neu bestückten "Schaufenster" zur Stadtgeschichte. In den beiden Vitrinen werden der Öffentlichkeit derzeit alte Aufnahmen aus dem Nachlass des Fotografen Arthur Barth aus den Zwanzigerjahren sowie Schauobjekte der Wirtschaftsgeschichte Speyers mit schriftlichen Zeugnissen des ehemaligen Speyerer Oberbürgermeisters Karl Leiling (1919-1946) präsentiert.

Die Arbeit des Stadtarchivs, mit künftig etwas längeren Öffnungszeiten, war im letzten Jahr zu einem nicht geringen Anteil von der digitalen Erfassung historischer Urkunden geprägt. In Verbindung einesdurch die Deutschen Forschungsgesellschaft geförderten Projektes wurden die Urkunden digitalisiert  und stehen seit Oktober 2011 zu Forschungszwecken und Recherchen im Internet online, abrufbar über das virtuelle Archiv Monasterium", zur Verfügung. Gegenwärtig werden Mittelalterhandschriften sowie die bedeutende Fotosammlung des Speyerer Archivs gescannt und in Datenbanken eingebunden. Erhebliche Vorteile verspricht sich das Team um Kemper vom neuen A2-Großscanner, der gemeinsam mit dem Archiv des Bistums im Februar angeschafft wird. Neben diesen Projekten forderten die Kernaufgaben wie Bestandpflege, Ausstellungen, Publikationen, Erschließung
sowie Öffentlichkeitsarbeit die Aufmerksamkeit der "Besatzung". Sehr wesentlich trug die Modernisierung der Präsentation mit Hilfe der sogenannten "sozialen Medien" zum Verbessern der Aufnahme und Akzeptanz außerhalb des Archivs bei. Seit dem letzten Frühjahr verfügt das Stadtarchiv Speyer über eigene Seiten bei Facebook und Twitter. Zusätzlich bei weiteren Plattformen wie Flickr, Slideshare oder Wikipedia. (circa 500.000 Aufrufe in neun Monaten!) In diesem Kontext ist in 2012 ein Bericht im Fachorgan "Archiv" geplant, ebenso Vorträge anlässlich des internationalen Archivtages in Radenci/Slowenien. Im November findet zudem eine internationale Konferenz in Speyer zu diesem Themenkreis statt.

Das Archiv war im Jahr 2011 an mehreren Ausstellungen beteiligt. Hierbei ist neben der herausragenden Salierschau im Historischen Museum auch die Präsens im Pfälzischen Sportmuseum Hauenstein von zentraler Bedeutung. Zwei Veranstaltungsschauen mit dem Hintergrund  jüdische Geschichte umfassen während der Kulturnacht im Juni (im Historischen Ratsaal) das Wirken Josel von Rosheims, der als jüdischer Unterhändler auf dem Reichstag zu Speyer ein umfassendes Privileg für die Juden von Karl V. erwirken konnte sowie im Spätjahr 2012 neue Grabungsergebnisse am Judenhof, als begleitende Veranstaltung zu einer danach erscheinenden Buchausgabe. Die um vier Themen erweiterte Vortragsreihe"Mittwchabend im Stadtarchiv", deren Beginn auf Wunsch der Besucher um eine halbe Stunde auf nunmehr 18.30 terminiert ist, bietet ein umfangreiches Spektrum interessanter Vorträge bedeutender Referenten; beispielsweise über Katastrophen im Archiv, über alte Rebsorten am Rhein, jüdische Gemeinden im Mittelalter, einen historischen Bilderspaziergang oder es stehen 16 Jahre Briefwechsel zwischen Cottbus und Speyer beim Redevortrag der beiden Protagonisten aus Ost und West im Fokus des betreffenden Abends.

Unter Mitwirken von Archivleiter Kemper erschienen zuletzt zwei Publikationen mit dem Titel " Digitale Urkundenpräsentationen" und  "Archive im Web. Erfahrungen, Herausforderungen , Visionen". Kemper wurde außerdem vergangenes Jahr in den Ausschuss des Historischen Vereins der Pfalz gewählt und als Ordentliches Mitglied in die Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften aufgenommen. (da/Foto:da)